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18. Juli 2017

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gefrdert vom Kultursommer Suedhessen

Unzhlige Musiker bewerben sich fr Auftritte bei den Otzberger Sommerkonzerten, darunter zweifellos viele berragende Talente. Wir haben also ein reiches Angebot an Interpreten, und die Auswahl fllt nicht leicht.
Da wir die Konzerte von artists in residence gestalten lassen, sind nicht nur musikalische Qualitten gefragt, sondern auch bereinstimmung in der musikalischen Auffassung und Sympathie unter den Musikern, die sich teilweise erst bei den Proben auf dem Otzberg kennen lernen.
Wir laden deshalb in der Regel nur Musiker ein, die wir bereits live in einem Konzert erleben konnten. Zeigt sich dabei, dass ein Knstler in unsere Konzertreihe passen knnte, muss er natrlich auch Lust und Zeit haben, bei uns aufzutreten – an der Lust ist es brigens noch nie gescheitert, an der Zeit jedoch immer wieder einmal.
Dies gilt insbesondere auch fr die Musiker, die auf dem Otzberg bereits aufgetreten sind. Ausnahmslos alle wollen wiederkommen. Da sonstige Verpflichtungen dies nicht immer erlauben, kann unser Stammpublikum jedes Jahr auch neue Interpreten kennen lernen.

Darmstdter Echo 30. August 2012  | Von Christian Chur

Ein Haus voller Musik

Festival – Professionelle Interpreten aus ganz Europa bereiten sich gemeinsam fr die Otzberger Sommerkonzerte vor

2012-08-30 da-echo brtl -
Proben im Wohnzimmer: Ingrid Theis stellt ihr im Otzberger Ortsteil Zipfen gelegenes Hofgut drei Wochen lang fr Musiker zur Verfgung. Die erarbeiteten Werke werden ab kommendem Wochenende bei den Otzberger Sommerkonzerten vorgestellt.

Ingrid Theis liebt Musik – und holt sich kurzum fr drei Wochen im Jahr professionelle Musiker ins Haus. Talente aus ganz Europa reisen in den winzigen Otzberger Ortsteil Zipfen, um beim Ehepaar Theis zu wohnen und zu proben. Deren grozgig geschnittene Hofreite verwandelt sich dann in eine Musikakademie, in einen aus allen Rumen schallenden Klangkrper.
In knapp einer Woche studieren die Teilnehmer anspruchsvolle Stcke der Musikliteratur ein, um sie am anschlieenden Wochenende bei den Otzberger Sommerkonzerten auf der Veste Otzberg vor rund 100 Gsten zu spielen. Die Besetzung wechselt dabei wchentlich, sodass insgesamt drei Gruppen jeweils ein Wochenende musikalisch gestalten. Vereinzelt machen Teilnehmer auch fr mehrere Wochen mit.

Seit 20 Jahren schwrmt die gebrtige Saarlnderin Ingrid Theis durch ganz Europa, um geeignete Musiker fr ihr Festival zu finden. Eine hohe Gage kann sie den Musikern nicht bieten; dafr volle Kost und Logis, einen Rundum-Wohlfhl-Service und eine entspannte Arbeitsatmosphre.
Die 64 Jahre alte Hausherrin ist dabei keine Freundin strenger Regeln. Das ist auch nicht notwendig, die Musiker schaffen es gut, sich selbst zu organisieren.“ Die aktuelle Gruppe hat zumindest schon einmal einen Probenplan angefertigt. Er heftet provisorisch an der Khlschranktr in der Kche.
Fr Dienstagnachmittag steht ein packendes Oktett fr Streicher und Blser auf dem Papier. Dem ersten Hreindruck nach zu urteilen, erinnert das virtuose Werk verdchtig an das Oktett von Franz Schubert. Theis stimmt zu: Es klingt stellenweise auch sehr hnlich. Aber fr Schubert ist es zu optimistisch. Es ist von Ferdinand Thieriot.“ Der gebrtige Hamburger Thieriot habe sich aber an dem Werk des Wiener Meisters orientiert, als er es Ende des 19. Jahrhunderts komponierte, fgt sie hinzu. ’Der’ Thierot, wie Ingrid Theis liebevoll sagt, liege der Organisatorin besonders am Herzen, denn kennen tue das Stck kaum jemand.
Noch will der dritte Satz, das Scherzo, im Probendurchlauf nicht so recht klappen – aber die Interpreten haben noch bis Samstag Zeit, den rechten Schliff zu finden. Bei der Frage, ob ’der’ Thierot Schwierigkeiten bereitet, verzieht der Hornist Paolo Mendes – seinerseits gebrtiger Halb-Inder – die Gesichtsmiene: Das klingt viel zu negativ. Wir sehen es mehr als Herausforderung.“ Die Gruppe ist auf einem guten Weg, sich zu finden, besttigt Geiger Christoph Schickedanz. Es ist gar nicht so leicht, mit bisher Unbekannten gemeinsam zu musizieren.“ Das unorthodoxe Programm mit Werken von Ernst Schulhoff, Bernhard Crusell oder Hans Gl in diesem Jahr macht die Sache nicht eben leichter. Eine Vorbereitung vorab ist schwierig, wir mssen die Stcke Takt fr Takt erarbeiten und wie ein Fuballteam eine gemeinsame Strategie finden.“
Schickedanz kennt das Prozedere bestens, denn er ist schon seit dem Jahr 1997 dabei. Kaum zu glauben, dass Theis den in ihren Augen damals biederen Musiker ursprnglich nicht wollte. Ich musste ihn aufnehmen, ansonsten wren wichtige Zuschsse vom Kultursommer Sdhessen nicht bewilligt worden. Dann aber hrte ich ihn spielen und war vllig hin und weg.“ Mittlerweile gehrt er gemeinsam mit seiner Frau, der Geigerin Zoya Nevgodovska, zum engen Freundes- und Teilnehmerkreis der Theis’ – und kommt immer wieder gern, sofern es sein enger Zeitplan zulsst.

Die Besetzung dieses Jahres ist eine kleine Festival-Evolution, denn mit erstmals bis zu acht Musikern knnen groe Kammerwerke wie das Oktett von Schubert und die Septette von Beethoven und Adolphe Blanc gespielt werden. Dafr mssen wir in diesem Jahr auf das Klavier verzichten, denn dafr ist nun in dem kleinen Saal auf der Veste kein Platz mehr“, sagt Theis. Streifzge durch Europa und drei Jahrhunderte“ lautet das Thema der diesjhrigen Spielzeit – ein sehr vages Spiel mit den Worten, gibt Theis zu. Dennoch passt es sehr gut, denn die 20 Teilnehmer stammen aus sieben verschiedenen Lndern und spielen Musikstcke von ber 14 Komponisten aus ganz Europa.“
Bei der Frage, ob sie in naher Zukunft nicht auf einen greren Saal ausweichen will, um mehr Zuschauern einen Platz bieten zu knnen, muss sie jedoch verneinen: Das wrde den Charakter des Festivals verndern.“

Harald Budweg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. September 2006

Auf Seitenpfaden der Musik

Verfehlen kann man sie nicht: Die etwa 40 Kilometer sdstlich von Frankfurt, etwas abseits zwischen Darmstadt und Aschaffenburg gelegene Veste Otzberg thront auf einem weithin sichtbaren Basaltkegel. Nhert man sich von der Ebene her dem Rand des Odenwalds, hat man sie stets fest im Blick. Doch vor Ort wre dennoch alles schwierig, knnten Autofahrer nicht einer speziellen Beschilderung folgen: Otzberg ist eine Ansammlung verstreuter Einzeldrfer, und man sollte wissen, da die Veste im Ortsteil Hering liegt.

Wer jedes Jahr im September dorthin fhrt, um Kammermusik zu genieen, wei offenbar Bescheid - kaum ein Besucher, den Ingrid Theis zur Erffnung nicht per Handschlag begrt. Zum 14. Mal finden - an drei Wochenenden im September - die Otzberger Sommerkonzerte“ statt. Die Musiker kennen und schtzen sich. Man probt zusammen, man it gemeinsam im Hause Theis, wo die Programme vorbereitet werden. Ingrid Theis, im Hauptberuf Grundschullehrerin in Mnster bei Dieburg, doch seit frher Jugend musikerfahren, ist die knstlerische Leiterin des kleinen Festivals, dessen Struktur an Gidon Kremers Lockenhaus-Festival erinnern mag, wenngleich natrlich die meisten Knstler der Otzberger Sommerkonzerte nicht Weltstars sind. Wer sollte die auch bezahlen?

Seit 1993 gibt es den Liedersommer“
In dem als Veranstaltungsort dienenden Museum kann Ingrid Theis nur hundert Pltze anbieten, der vom Ministerium fr Wissenschaft und Kunst gefrderte und von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thringen untersttzte Kultursommer Sdhessen“ steuert 2700 Euro bei - das wre gerade ausreichend fr die Veranstaltung eines einzigen Konzerts, wren da nicht der Idealismus der aus eigener Tasche immer wieder erhebliche Fehlbetrge ausgleichenden Veranstalterin und der Enthusiasmus der Musiker, die, glaubt man Ingrid Theis' Beteuerungen, viel zu geringe Gagen akzeptieren. Weitere Betrge kommen von der Sparkasse Dieburg, der HEAG Sdhessische Energie AG Darmstadt und einer privaten Gnnerin sowie den Mitgliedern des Frderkreises.

Dennoch - der Lockenhaus-Gedanke lebt. Das war auf dem Otzberg nicht immer so: Ins Leben gerufen wurde das kleine Festival 1993 zunchst als Liedersommer“. Die Idee kam damals von dem Schweizer Snger Beat Hadorn, der die kleine Konzertreihe knstlerisch leitete und hier auch Kurse gab. Ingrid Theis, damals Organisatorin, benennt kurz und knapp, woran das Unternehmen scheiterte: Die Angelegenheit war nicht sehr erfolgreich, Hadorn sprang ab.“ Museumschef Gerd Grein, zu jener Zeit Veranstaltungsleiter, schlug 1995 vor, weiterzumachen und die knstlerische Leitung auf Ingrid Theis zu bertragen: Die heute 58 Jahre alte Lehrerin und Amateur-Pianistin ist nicht nur eine sach- und branchenkundige Musikenthusiastin, sondern hatte auch als Organisatorin viel Geschick gezeigt.
Theis bernahm und gab ihrer“ Sommerreihe alsbald ein vllig neues Gesicht. Jeder Veranstalter kennt ja das Problem: Ist man fast mittellos, kann man sich keine groen Namen leisten. Die durchreisenden Musiker, die dennoch kommen, beschrnken sich meist auf Standard-Tourneeprogramme und identifizieren sich verstndlicherweise nicht mit diesem Ort.

Keine Scheu vor zeitgenssischer Musik“
Theis hingegen ist das erstaunliche Kunststck gelungen, Otzberg ein unverwechselbares knstlerisches Format zu geben: Ihre Artists in Residence“ kommen regelmig wieder, wohnen beim Ehepaar Theis und erarbeiten Kammermusikprogramme jenseits ausgetretener Pfade. Unsere Angebote sind vielseitig und wir kennen auch keine Scheu vor zeitgenssischer Musik“, sagt Ingrid Theis und verweist auf den Umstand, nur ein einziges Gema- gebhrenfreies Programm mit ausschlielich lteren Werken anzubieten. [...]

Carolin Neubauer, Darmstdter Echo am 13.9.2005

Ein ganzes Haus voller Musik
Otzberger Sommerkonzerte – Thema Brahms:
Gelungener Auftakt fr die 13. Folge der Kammermusikreihe

OTZBERG. Zum 13. Mal wird der Rittersaal der Veste Otzberg jetzt zum Treffpunkt von Liebhabern der Kammermusik. Unter dem Thema ... Hauptsache Brahms!” stellen insgesamt 13 Musiker an sechs Abenden Kammermusikwerke von Johannes Brahms vor. Auf dem Programm finden sich auch Stcke anderer Komponisten, die – im weitesten Sinn – mit Brahms in Verbindung stehen.

Am Sonntag brillierte die israelische Geigerin Kinneret Sieradzki beispielsweise mit Maurice Ravels Konzertrhapsodie Tzigane”. Die Brcke zu Brahms findet sich wohl am ehesten in der Anlehnung an die Zigeunermusik. Temperament und Charme zeichnete die Interpretation der jungen Knstlerin aus. Die dsteren Tne in der Soloeinleitung der Violine steigerten sich klagend zur Zweistimmigkeit und mndeten in klirrenden Flageoletts. Dann erst setzte Klaus Sticken am Klavier ein. Teuflisch virtuos ging es zu, und dennoch wagten die beiden eine facettenreiche Gestaltung. In Brahms’ Sonate fr Violoncello und Klavier e- moll op. 38 hatte sich Sticken am Klavier zu Beginn sehr zurckgehalten. Das Cello von Grigory Alumyan vibrierte schon bei leichtem Bogenstrich. Die beiden Musiker passten sich schnell an die akustischen Gegebenheiten des kleinen Raumes an und schpften aus enormer Klangpalette.
   Die akustischen Bedingungen mssen auch bei der weiteren Planung der Otzberger Sommerkonzerte beachtet werden. Mehr als ein Sextett ist in diesen Rumen nicht mglich”, sagt Ingrid Theis. Sie organisiert seit 13 Jahren die Konzerte. Aus finanziellen Grnden ist erstmals nicht mehr das Museum Otzberg der Veranstalter, sondern der Frderkreis Otzberger Sommerkonzerte“. Vor einem halben Jahr gegrndet, haben sich jetzt schon ber 70 Mitglieder angemeldet.
   Grundschullehrerin Ingrid Theis und ihr Mann beherbergen in den Konzertwochen auf ihrer umgebauten Hofreite im Otzberger Ortsteil Zipfen die Musiker. Wenn ich aus der Schule komme, ist das Haus voller Musik”. Tatschlich treffen sich die Musiker erst ein paar Tage vor dem Konzert im Hause Theis und proben dort die Stcke.

Einige – wie der Geiger Christoph Schickedanz – sind mittlerweile Stammgste. Die Gage sei zwar gering, sagt Ingrid Theis, aber die Knstler mgen die Atmosphre.” Dass sich die Streicher, Pianisten und Snger erst kurzfristig zusammenfinden, war bei dem Konzert am Sonntag nur selten zu hren. Das Klavierquintett   f-moll, Opus 34, von Johannes Brahms mit Klaus Sticken (Klavier), Christoph Schickedanz und Kinneret Sieradzki (Violinen), Andreas Bartsch (Viola) und Grigory Alumyan (Cello) gelang musikalisch packend. Am Ende feierten die rund 100 Zuhrer ihre Musiker.

Sandra Binder, Darmstdter Echo am 6.9.2003

Zeit zu hren, statt zu reden
Ausblick: Sommerkonzerte Otzberg: In einem Privathaus entdecken Musiker beim Proben neue Seiten des Zusammenspiels

OTZBERG. Ein Garten, der inspiriert, ein Haus mit vielen Zimmern, eine Bibliothek mit guter Akustik, eine Katze auf dem Flgel, der Blick auf den Odenwald: Im Otzberger Ortsteil Zipfen bietet Ingrid Theis, die Leiterin der Sommerkonzerte, ihren Musikern einen Mikrokosmos, in dem sie sich wohl fhlen und nicht mehr hinauswollen“, sagt der Pianist Roberto Domingos. Am Sonntag (7.) beginnt die Konzertreihe, die im vergangenen Jahr Zuhrer aus ganz Sdhessen auf die Veste zog.

Die Grundschullehrerin bringt die Musiker in ihrem eigenen Haus unter. Dort knnen sie proben und sich kennen lernen, denn sie kommen aus ganz Deutschland und dem Ausland: Roberto Domingos aus Karlsruhe, der Cellist Stefan Heinemeyer aus Berlin, Bratschist Martin von der Nahmer aus Wuppertal, Zoya Nevgodovska (Geige) aus Kiew, Pianist Camillo Radicke aus Dresden und Christoph Schickedanz (Geige) aus Heppenheim.

Den ganzen Tag bt jemand im Haus. Strt das die Bewohner nicht irgendwann? Nein, berhaupt nicht“, widerspricht Ingrid Theis: Wenn ich nach dem stressigen Schulalltag nach Hause komme und im dritten Stock spielt eine Geige, whrend das Cello aus der Bibliothek schallt und der Flgel aus dem Wohnzimmer, dann ist das fr mich reine Erholung.“

Die Idee, die Knstler whrend einer Konzertreihe bei sich wohnen zu lassen, weckt Erinnerungen an Mzene des 19. Jahrhunderts, die ihre Salons fr Knstler und Musiker ffneten und ihnen Essen und Kontakte zu reichen Gnnern boten. Tatschlich ist die Idee zur Otzberger Sommerkonzertreihe whrend eines Hauskonzerts beim Ehepaar Theis entstanden. Gerd Grein vom Museum in der Veste Otzberg hatte vorgeschlagen, die Konzerte in die Veste zu verlegen.

Das Ehepaar Theis ffnet sein Haus, stellt Gstezimmer, Essen, einen Flgel und kleine Gagen zur Verfgung und profitiert im Gegenzug von der Nhe zu den Knstlern“, sagt Ingrid Theis. Das Ehepaar trgt auch die Verluste. Die Konzerte haben sich noch nie selbst getragen“, sagt sie und zuckt die Schultern: Andere haben auch teure Hobbys.“

Welche Stcke spielt man in solch einer familiren Umgebung? Lieblingstcke“, sagt Stefan Heinemeyer, Stcke, die die Zeit brauchen, in denen man Spontaneitt ausleben kann.“ Denn bei der intensiven Probenarbeit, den gemeinsamen Abenden bei Essen und Gesellschaftsspielen und der Abgeschlossenheit des Hauses der Familie Theis entsteht eine intime Atmosphre. Die Musiker lernen ihren Spielpartner ganz anders kennen, als das in einem geregelten Probebetrieb mglich wre. Sie wissen um seine Eigenheiten. Wenn man erlebt, wie der andere auf Witze reagiert, dann hat das auch Auswirkungen auf das gemeinsame Spiel“, sagt Heinemeyer. Und Domingos fgt hinzu: Wenn man zu viel Schwierigkeiten abspricht, zerstrt das jede flexible Linie.“ In Otzberg sei das anders: Hier hat man Zeit zu hren, statt zu reden.“

Ihren Hauskonzert-Charakter haben die Sommerkonzerte nie ganz abgelegt. Der Rittersaal in der Veste hat nur Platz fr 80 Personen und bietet einen traumhaften Ausblick auf die Hgellandschaft des Odenwalds. Das Publikum rckt den Musikern dabei ganz nah. Eine Trompete wre hier viel zu laut“, sagt Domingos. So kam das Motto der diesjhrigen Reihe zustande: 242 Saiten“, verteilt auf fnf Instrumente.

Christiane Schiemann, Skript fr  ”Musikszene Hessen” gesendet am 6.9.2003 in HR2 und HR Klassik
 

Es gibt sie noch, die kleinen Paradiese.

Eines davon findet sich im Odenwald – auf dem Otzberg. Oben auf steht eine Veste aus dem 12. Jahrhundert; heute ein Museum. Rund herum liegen Ortschaften mit putzigen Namen.

In Otzberg-Zipfen hat sich das Ehepaar Theis auf einem alten Anwesen niedergelassen. Der frhere Bauernhof wurde irgendwann zu einer Pension umgebaut, die allmhlich verfiel. Heute hat das Ehepaar Theis das Gebude zu einem Mehrfamilien-Hof verwandelt. Und im Sommer wird daraus gar eine private Knstlerkolonie. Jedes Jahr nach den Sommerferien werden von hier aus die Otzberger Sommerkonzerte” veranstaltet. Aus Freude an der Musik – und aus Offenherzigkeit. Die Seele der Konzertreihe, Ingrid Theis.
[O-Ton 0‘53: (P) schiemann otz t anfnge]

Ingrid Theis ist Grundschullehrerin. Mit Musik hat sie praktisch nichts zu tun – keine Geschichten, sie habe als Kind schon dies oder das vollbracht. Sie hrt gerne Musik, und mit ihrem Mann reist sie auf Festivals, um Neues zu entdecken. Diese Liebe reicht aus, um die eigene Konzertreihe auf die Beine zu stellen.
[O-Ton 0’44: (P) schiemann otz t orga-zyklus]

Zum elften Mal starten die Otzberger Sommerkonzerte“ in diesem Jahr. Seit dem letzten Jahr gibt es das Konzept der Artists in Residence”, das heit: alle Konzerte werden von den gleichen Knstlern gegeben, und die residieren die Konzertsaison ber in Otzberg – auf dem Anwesen der Theisens. Jede Saison hat ihr eigenes Motto, und eigentlich wechseln auch jedes Jahr die Musiker – oder doch ein Teil der Besetzung. Streicher, Pianisten, Holzblser, Sngerinnen und Snger waren schon da. In diesem Sommer allerdings finden sich dieselben Knstler ein wie im letzten Jahr.
[O-Ton 0’12: (P) schiemann otz t 242 Saiten]

Das Programm reicht vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Weil die Veranstaltung aus dem Privaten heraus organisiert wird, richtet sich Ingrid Theis gern nach den Wnschen des Publikums. Als nach einem Streichquartett gefragt wurde, reiste sie herum, um eine passende Bratsche zu finden – und fand auch gleich zwei Geigen, die sie ebenfalls einlud. Doch sie will auch nicht ausschlielich die groen Schlager hren. Und so stehen in diesem Jahr neben Schuberts Notturno oder Haydns Klaviersonate Nr. 50 auch Bartok-Duos und Ligety-Sonaten auf dem Programm, und neben oft Gespieltem gibt es selten Gehrtes auf dem Otzberg.

Die Vorbereitungen fr die Konzerte in diesem September laufen seit einer Woche. Pianist Roberto Domingos und Cellist Stefan Heinemeyer waren schon Anfang der Woche da, der Rest der Musiker kam am Donnerstag nach: aus Berlin und Dresden. Das Haus hat sich also allmhlich mit Musik gefllt – Ingrid Theis fhrt durch die Rume:
[Atmo 2‘24: (P) schiemann otz t r1 nach 0’33 drber mit Text, Musik wird noch gebraucht] 

Vom groen Wohnzimmer aus sieht man oben auf dem Berg die Veste, wo die Konzerte stattfinden. Unten der riesige Garten mit Teich und eigenem Rotwein-Anbau, ein Stockwerk hher liegen die drei Musikerzimmer. Dazwischen huscht die Hauskatze herum – auch sie lt sich die Musik gefallen. Platz genug zum Leben und arbeiten.
[O-Ton 0’17: (P) schiemann otz t sauna Musik hoch bis 1’17, dort drber mit Text, Musik ausblenden bis Ende des folgenden Absatzes]

Roberto Domingos und Stefan Heinemyer haben sich vor einigen Jahren durch die Otzberger Konzerte kennengelernt. Der eine nach Abschlu seiner Studien, der andere als Jungstudent. Heute unterrichtet Domingos an der Musikhochschule in Karlsruhe, Heinemeyer spielt in vielen Ensembles und nimmt erfolgreich an Wettbewerben teil.
Gefragt nach ihrem Tagesablauf gucken sich die beiden erst einmal mit Lausbubengesichtern an.

[O-Ton 1’06: (P) schiemann otz hd arbeitstag  (Achtung: bitte nachpegeln!!!)]

Immerhin – seit ihrer ersten Zusammenarbeit auf dem Otzberg haben die beiden fters zusammen konzertiert und auch eine CD produziert.

[CD T13, Anfang – 0‘27]

Der Otzberger Idylle fehlt eigentlich nur eines: Sponsoren. Denn da dieses Paradies ein irdisches ist, will es finanziert werden. Zwar stellt das Museum in der Veste den Saal und die Bestuhlung zur Verfgung, untersttzt die Druckerei die Produktion der Programmhefte, geben andere Beteiligte Rabatte – doch das kann nicht reichen. Es gibt noch genug Posten, die zu buche schlagen. Bislang nimmt das Ehepaar Theis es gelassen.

[O-Ton 0’52: (P) schiemann otz t finanzen.]