|
Christiane Schiemann, Skript für ”Musikszene Hessen” gesendet am 6.9.2003 in HR2 und HR Klassik
Es gibt sie noch, die kleinen Paradiese.
Eines davon findet sich im Odenwald – auf dem Otzberg. Oben auf steht eine Veste aus dem 12. Jahrhundert; heute ein Museum. Rund herum liegen Ortschaften mit putzigen Namen.
In Otzberg-Zipfen hat sich das Ehepaar Theis auf einem alten Anwesen niedergelassen. Der frühere Bauernhof wurde irgendwann zu einer Pension umgebaut, die allmählich verfiel. Heute hat das Ehepaar Theis das Gebäude zu einem Mehrfamilien-Hof verwandelt. Und im Sommer wird daraus gar eine private Künstlerkolonie. Jedes Jahr nach den Sommerferien werden von hier aus die „Otzberger Sommerkonzerte” veranstaltet. Aus Freude an der Musik – und aus Offenherzigkeit. Die Seele der Konzertreihe, Ingrid Theis. [O-Ton 0‘53: (P) schiemann otz t anfänge]
Ingrid Theis ist Grundschullehrerin. Mit Musik hat sie praktisch nichts zu tun – keine Geschichten, sie habe als Kind schon dies oder das vollbracht. Sie hört gerne Musik, und mit ihrem Mann reist sie auf Festivals, um Neues zu entdecken. Diese Liebe reicht aus, um die eigene Konzertreihe auf die Beine zu stellen. [O-Ton 0’44: (P) schiemann otz t orga-zyklus]
Zum elften Mal starten die „Otzberger Sommerkonzerte“ in diesem Jahr. Seit dem letzten Jahr gibt es das Konzept der „Artists in Residence”, das heißt: alle Konzerte werden von den gleichen Künstlern gegeben, und die residieren die Konzertsaison über in Otzberg – auf dem Anwesen der Theisens. Jede Saison hat ihr eigenes Motto, und eigentlich wechseln auch jedes Jahr die Musiker – oder doch ein Teil der Besetzung. Streicher, Pianisten, Holzbläser, Sängerinnen und Sänger waren schon da. In diesem Sommer allerdings finden sich dieselben Künstler ein wie im letzten Jahr. [O-Ton 0’12: (P) schiemann otz t 242 Saiten]
Das Programm reicht vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Weil die Veranstaltung aus dem Privaten heraus organisiert wird, richtet sich Ingrid Theis gern nach den Wünschen des Publikums. Als nach einem Streichquartett gefragt wurde, reiste sie herum, um eine passende Bratsche zu finden – und fand auch gleich zwei Geigen, die sie ebenfalls einlud. Doch sie will auch nicht ausschließlich die großen Schlager hören. Und so stehen in diesem Jahr neben Schuberts Notturno oder Haydns Klaviersonate Nr. 50 auch Bartok-Duos und Ligety-Sonaten auf dem Programm, und neben oft Gespieltem gibt es selten Gehörtes auf dem Otzberg.
Die Vorbereitungen für die Konzerte in diesem September laufen seit einer Woche. Pianist Roberto Domingos und Cellist Stefan Heinemeyer waren schon Anfang der Woche da, der Rest der Musiker kam am Donnerstag nach: aus Berlin und Dresden. Das Haus hat sich also allmählich mit Musik gefüllt – Ingrid Theis führt durch die Räume: [Atmo 2‘24: (P) schiemann otz t r1 nach 0’33 drüber mit Text, Musik wird noch gebraucht]
Vom großen Wohnzimmer aus sieht man oben auf dem Berg die Veste, wo die Konzerte stattfinden. Unten der riesige Garten mit Teich und eigenem Rotwein-Anbau, ein Stockwerk höher liegen die drei Musikerzimmer. Dazwischen huscht die Hauskatze herum – auch sie läßt sich die Musik gefallen. Platz genug zum Leben und arbeiten. [O-Ton 0’17: (P) schiemann otz t sauna Musik hoch bis 1’17, dort drüber mit Text, Musik ausblenden bis Ende des folgenden Absatzes]
Roberto Domingos und Stefan Heinemyer haben sich vor einigen Jahren durch die Otzberger Konzerte kennengelernt. Der eine nach Abschluß seiner Studien, der andere als Jungstudent. Heute unterrichtet Domingos an der Musikhochschule in Karlsruhe, Heinemeyer spielt in vielen Ensembles und nimmt erfolgreich an Wettbewerben teil. Gefragt nach ihrem Tagesablauf gucken sich die beiden erst einmal mit Lausbubengesichtern an.
[O-Ton 1’06: (P) schiemann otz hd arbeitstag (Achtung: bitte nachpegeln!!!)]
Immerhin – seit ihrer ersten Zusammenarbeit auf dem Otzberg haben die beiden öfters zusammen konzertiert und auch eine CD produziert.
[CD T13, Anfang – 0‘27]
Der Otzberger Idylle fehlt eigentlich nur eines: Sponsoren. Denn da dieses Paradies ein irdisches ist, will es finanziert werden. Zwar stellt das Museum in der Veste den Saal und die Bestuhlung zur Verfügung, unterstützt die Druckerei die Produktion der Programmhefte, geben andere Beteiligte Rabatte – doch das kann nicht reichen. Es gibt noch genug Posten, die zu buche schlagen. Bislang nimmt das Ehepaar Theis es gelassen.
[O-Ton 0’52: (P) schiemann otz t finanzen.]
|